Auch Terror
schafft Chancen
Berliner IT-Firmen arbeiten in wachsenden Märkten wie
der Sicherheitstechnik - Netzwerke entstehen
Von Joachim Fahrun
Wie
Berlin aus dem Wissensschatz seiner vielen Forscher Arbeitsplätze
der Zukunft schafft, wird das wichtigste wirtschaftspolitische
Thema des kommenden Wahlkampfes sein. Die Frage ist: Wie funktioniert
Innovation und wie kann Politik helfen? Die weltweite Angst vor Terroristen stimuliert die Berliner Wirtschaft. Und das Bestreben der Regierungen, sich im Internet zu präsentieren. Und der Druck, daß Mitarbeiter neue Computersysteme schnell erlernen müssen.
Auch weil Berliner High-Tech-Firmen diese Zukunftsthemen bearbeiten, wächst die Informations- und Kommunikationsbranche in der Stadt jährlich um acht Prozent. Mittlerweile arbeiten 43 000 Berliner in der Branche. "Wir haben in unseren Kompetenzfeldern überdurchschnittliche Wachstumsraten", sagt Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei.PDS) und stellte gestern einige Beispiele vor.
In der Bundesdruckerei in Kreuzberg läßt sich ahnen, wie sich ein Cluster, ein lokales Netz von verschiedenen Akteuren in einem Marktsegment, bildet. Der 2004 privatisierte Hersteller von Geldscheinen und Reisedokumenten hat sich zum Spezialisten für Systeme zur Identifikation entwickelt.
Der elektronische Reisepaß, der in Deutschland und demnächst für Großbritannien produziert wird, gehört ebenso zu den Produkten wie das Scannen biometrischer Merkmale und die elektronische Signatur für Geschäfte, die über Datennetze laufen.
2005 hat die Bundesdruckerei 136 Ingenieure, Mathematiker und Fachinformatiker eingestellt. "Wenn sich die Projekte realisieren, die wir akquiriert haben, werden wir extrem viel mehr Leute brauchen", sagt Vorstand Ulrich Hamann. Er sieht sein Unternehmen als einen "Katalysator für Sicherheitstechnik in der Region". Mit der Technischen Universität verhandelt er über einen Lehrstuhl für Sicherheitstechnik.
Demnächst könnte auch Qui-Ping Zeng mit der Bundesdruckerei ins Geschäft kommen. Der Chinese, der in Berlin studierte, führt die kleine Firma Idencom. Wenn in zwei Jahren der elektronische Fingerabdruck in deutschen Pässen Pflicht wird, will er sein führendes Know-how auch hier verwerten.
Zeng hat auch am Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik geforscht, wo sich Bertram Nickolay seit Jahren der optischen Sensorik und der Biometrie widmet. Allein aus seinem Bereich, schätzt der Wissenschaftler, hätten sich mehrere hundert Arbeitsplätze in Berlin entwickelt. Nur mit der Vermarktung ihrer Erkenntnisse müsse die Region noch besser werden.
Vom allgegenwärtigen Kostendruck in Unternehmen profitiert die Datango AG in Mitte. Nachdem die Firma 2003 nach dem Internet-Hype fast zu Tode geschrumpft war, bietet Vorstand Jochen Wiechen nun Software an, mit der Endnutzer in Unternehmen die Computersysteme oder neue Anwendungen im Echtbetrieb erlernen können. Demnächst wird der erste Kunde in Kalifornien bedient. Nur Berliner Firmen stehen kaum auf der Kundenliste. "Aber man müßte mal herausbekommen, was man hier tun könnte", sagt Wiechen. Berlin sei ein guter Standort, weil er hier gute Entwickler finden könnte. Nur bei extrem spezialisierten Fachleuten sei es auch hier schwierig.
An Expansion denkt auch die Init AG. Die Agentur mit 100 Mitarbeitern betreut unter anderem die Internet-Auftritte verschiedener Bundesministerien. "Fünf Minuten, nachdem Angela Merkel zur Kanzlerin ernannt wurde, waren wir mit der neuen Seite "bundeskanzlerin.de" im Netz", beschreibt Vorstand Harald Felling einen Erfolg seiner Firma. Nur Aufträge des Senats sind bisher ausgeblieben.
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